Die Namensgeberinnen des Steinkohlebergwerkes Sophia-Jacoba in Hückelhoven 

 

 

Sophie Fentener van Flissingen

geb. Schout Velthuys

Geboren am 25.09.1882 in Utrecht

 

 

Jacoba de Vooys

geb. van Dam

Geboren am 16.01.1876 in Zwammerdam

Bergkapelle im Umfeld der Gewerkschaft Sophia-Jacoba

1914 förderte die Grube Sophia-Jacoba in Hückelhoven die ersten Kohlen. Genau 25 Jahre später, nämlich 1939, wurde die Bergkapelle der Gewerkschaft Sophia-Jacoba gegründet. Sie ging nahtlos aus der „Kapelle Mertens“ hervor, die der Bergmann Peter Mertens als Zusammenschluss musikinteressierter Belegschaftsmitglieder der Zeche Sophia-Jacoba zu einer Unterhaltungskapelle bereits 1925 ins Leben gerufen hatte. Als erster Dirigent der Bergkapelle fungierte Heinrich Mertens.

Die Bergkapelle bei ihrem ersten Auftritt am 1. Mai 1939

Nach der durch Kriegswirren bedingten Ruhepause trat die Bergkapelle erstmals im Januar 1947 wieder in Erscheinung. Neuer Dirigent wurde Karl Huppertz.

Als dritter musikalischer Leiter folgte in der Chronik der Bergkapelle am 1. Oktober 1961 Werner Munsche, der bereits seit 1953 als Posaunist und Baritonist in dieser Bergkapelle tätig war.

In der ersten Zeit des Bestehens der Bergkapelle überwogen naturgemäß musikalische Einsätze bei betrieblichen Ereignissen. Sehr bald wurde der durch die Bergmannstracht optisch sehr attraktive und von der hervorragenden musikalischen Darbietung sehr geschätzte Instrumentalkörper zu außerbetrieblichen Veranstaltungen herangezogen. Heute ist die Bergkapelle der Gewerkschaft Sophia-Jacoba weit über den hiesigen Bereich bekannt. Hierzu haben auch sicherlich die von der Bergkapelle bespielten Langspielplatten „Musikalische Grüße der Bergkapelle“ (1979) beigetragen.

Allgemein bekannt ist die Mitwirkung der Bergkapelle Sophia-Jacoba bei dem jährlichen Neujahrsempfang der Stadt Hückelhoven, bei der Feier zum 1. Mai, beim großen Reitturnier in Ratheim und bei den bergmännischen Gottesdiensten zum Barbaratag. Außerdem finden Konzerte statt in bestimmten Siedlungen, in den Altenheimen und den Altentagesstätten, im Landeskrankenhaus Düren und in den umliegenden Krankenhäusern. Ferner bestreitet die Kapelle Großveranstaltungen in der Aula des Gymnasiums Hückelhoven und wirkt maßgeblich mit bei Sportereignissen, Vereinsjubiläen und Festbanketten sowie bei der Ausgestaltung des Volkstrauertages. Selbst unmittelbar vor Weihnachten ist die Bergkapelle regelmäßig unterwegs, um sowohl die Belegschaft der Zeche als auch die Bevölkerung der Stadt Hückelhoven auf das Fest einzustimmen.

Ein Blick in die Chronik des Veranstaltungskalenders zeigt auch viele Musikereignisse im Ausland (z.B. Holland, Frankreich, Belgien, England). So gab beispielsweise die Bergkapelle anlässlich der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen den Bergbaustädten Hückelhoven und Hartlepool im Jahre 1973 ein Konzert in der Aula Hückelhoven. In diesem Jahr reiste die Bergkapelle mit der Hückelhovener Delegation mit zur britischen Partnerschaft Hartlepool.

Das alljährliche Herbstkonzert der Bergkapelle Sophia-Jacoba in der Aula des Gymnasiums der Stadt Hückelhoven fand erstmals 1973 statt. Dieses musikalische Erlebnis weiß Belegschaft und Bevölkerung hoch zu schätzen. Diese Musik, die jeden erreicht, ist die Divise der Bergkapelle. So ist denn auch die Aula voll besetzt bis überbesetzt und manch einer harrt gerne stehend mehr als zwei Stunden aus, um das Können und die Musizierfreudigkeit der Bergkapelle zu erleben.

Erfreulich, dass die Bergkapelle sich ständig verjüngt und ihr Leiter Werner Münsche den jungen Menschen die Chance gibt, sich bei derlei Anlässen mit ihren Instrumenten und Leistungen vorzustellen.

Wer diese dynamische Bergkapelle der Gewerkschaft Sophia-Jacoba hört, weiß, dass er sich auf einen erlesenen musikalischen Genuss einstellen muss.

Wer diese Bergkapelle sieht, erlebt bergmännisches Brauchtum, dass sich in den Bergmannskitteln ausdrückt und nicht nur an die vielhundertjährige bergmännische Tradition erinnert, sondern auch die innere Verbundenheit zum Bergmannsberuf sichtlich ausdrückt.

Wer am 7. Oktober 1983 die Bergkapelle anlässlich des Herbstkonzertes erlebte, wird diese Zeilen bestätigt finden. So wirkt die Bergkapelle der Gewerkschaft Sophia-Jacoba in vielfältiger Weise im engeren und weiteren Umfelde. Sie verbindet die Namen und Begriffe „Gewerkschaft Sophia-Jacoba“ „bergmännisches Traditionsbewusstsein und Traditionspflege“ und „Bergbaustadt Hückelhoven“ für Auge und Ohr zu einem harmonischen Ganzen.

Beim Neujahrsempfang der Stadt Hückelhoven im Januar 1990 hatte der bereits im Oktober 1989 verabschiedete und zum Ehrendirigenten ernannte Werner Munsche seinen nunmehr entgültigen letzten Auftritt als Dirigent der Bergkapelle.

Sein Nachfolger wurde Karl-Heinz Bach. Sein musikalischer Werdegang bei Sophia-Jacoba begann schon im Jahre 1968, er war seit dieser Zeit als Klaritinettist und später auch als Saxophonist tätig.

Mit der Übernahme des Dirigats bei der Bergkapelle stellte sich Bach einer großen Herausforderung und Aufgabe, die er mit seinen Musikern, dem ganzen Klangkörper, hervorragent löste.

Am 14 Juni 1997 fand das Abschiedskonzert der Bergkapelle Sophia-Jacoba in der Aula des Gymnasiums in Hückelhoven statt. Zum letzten Mal konnte man den bezaubernden Klängen der bis dahin weit über den Grenzen und im Ausland beliebten, bekannten Bergkapelle Sophia Jacoba lauschen. Alle intensiven Bemühungen, die Kapelle auch nach der Schliessung der Zeche weiterhin bestehen zu lassen, sind damals gescheitert.

Die Bergkapelle in den  sechziger Jahren

Dank gehört den Frauen und Männern dieser Kapelle, die mit viel Idealismus neben ihrer Arbeit viel Freizeit aufwenden um anderen Menschen Freude zu bringen

Die Dirigenten der Kapelle im Laufe der Zeit

Historische Informationen zum Bergkittel

(Uniform der Bergkapelle)

Vortrag des Herrn Dipl.-Berging. Hans-Georg Rieß

Generalbevollmächtigter und Bergwerksdirektor a.D. Sophia-Jacoba

aus Anlass des 60-jährigen Bestehens des Knappenvereins

St. Barbara Hilfarth-Hückelhoven am 4. Dezember 2017 (Barbaratag)


 

Auf verschiedenen Darstellungen im 13. Jahrhundert, also vor rund 800 Jahren, wurden erstmals Bergleute in einheitlicher Oberbekleidung dargestellt. Auch in schriftlichen und bildlichen Dokumenten am Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert finden sich solche Darstellungen. Die sog. maximilianische Tracht, die auf das Mittelalter zurückgeht, bestand aus einem knöchellangen Mantel mit Kapuze. Für die tägliche Arbeit war er aus grobem, braunem Wollstoff gefertigt, an Festtagen trugen die Bergleute Mäntel aus hellem Leinen. Auch das „Arschleder“ war damals schon bekannt.

Die heute übliche schwarze Tracht entstand zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Sachsen und wurde danach auch in Schlesien üblich. Nach 1800 setzte sie sich ebenfalls in Preußen durch und bildete damit die Grundlage aller späteren Entwicklungen in den Bergbaurevieren Europas.

Der bergmännische Kittel war bis zur Mitte des 19. Jh. eine Arbeitskleidung und wandelte sich erst später zu einer Festtracht. Alle Elemente des Bergkittels sind Hinweise auf bestimmte bergmännische Tätigkeiten oder haben eine symbolische Bedeutung.

1. Das schwarze Tuch erinnert an die Dunkelheit untertage.

2. die goldenen Knöpfe (ursprünglich 29, das Lebensalter der hl. Barbara) sollen das Licht der Sonne symbolisieren.

3. Die zweimal 5 Köpfe auf der Brustseite sind eine Anspielung auf die zahlreichen Taschen, in denen das Werkzeug steckte.

4. Schlägel und Eisen sind die bekannten Werkzeuge der Bergleute aus der Frühzeit des Abbaus der Bodenschätze.

(Rechte Hand Schlägel = Hammer/Fäustel, linke Hand Eisen = Meißel)

5. Der heutige Schachthut ist eine Abwandlung einer kleinen Kopfbedeckung ohne Schirm, die, mit Schafswolle gepolstert, den Kopf schützen sollte.

6. Der Federbusch diente zum Reinigen der Sprenglöcher und wurde früher an einem Band hinten am Hut getragen.

7. An den Ärmeln befinden sich sog. Zopfborten. Sie symbolisieren die Reservedochte für die früher gebräuchlichen Öllampen und (nachdem das Schwarzpulver erfunden worden war) auch für die Zündschnüre, die angebunden am Ärmel getragen wurden.

8. Der große Schulterkragen geht zurück auf eine Pelerine (frz.: Schutzmantel). Sie sollte dem Bergmann Schutz gewähren vor herabfallendem Gestein und zudem das von oben herabtropfende Wasser von der Arbeitskleidung fernhalten. Dieser Kragen hat 9 Randzacken, die an die Zahl der Gefängnisjahre der hl. Barbara erinnern sollen. Das Gleiche schreibt man der mittleren Knopfreihe des Bergkittels zu, deren Anzahl ebenfalls 9 ist. Von diesen sollten die oberen drei nicht geschlossen werden, als Hinweis auf die hl. Dreifaltigkeit sowie auch auf ein drittes Fenster im Gefängnisturm, das Barbara während ihrer Gefangenschaft hatte brechen lassen.

9. Nun aber genug der Symbolik und noch ein Wort zum Rutschleder, später auch „Arschleder“ genannt. Es diente als Schutz vor dem Durchwetzen des Hosenbodens bei der Arbeit, sollte aber auch schützen vor Kälte und Nässe beim Sitzen, sowie als „Gleitmittel“ bei Rutschbewegungen auf dem Boden (Liegenden).

10. Soviel zu unserem „Äußeren“. im Inneren aber bleiben wir stets die „Knappen“: ehrlich, treu, kameradschaftlich, hilfsbereit und traditionsbewusst.

 

Glückauf“!